Sonntag, 11. September 2016

KREATIVE IDEEN RUND UM BAUM, MENSCH UND NATUR WACHSEN LASSEN

Geschichten aus dem KinderGarden, Sommer 2016 , Ma Camara

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8.9.16 -

erste nachbarschaftliche Begegnung an diesem sonnigem Früh-Herbsttag.

morgendliches Telefongespräch mit Frau H.H., Freundin des KinderGardens. Die Nachbarin, 87 Jahre alt, erzählt mir ihre Familiengeschichte in 5 Minuten am Telefon - es ist ihr dabei spürbar schwer ums Herz. Markant an ihren Erzählungen ist die Assoziation zwischen dem Absägen der gesunden Gingkobaum-Äste mit ihren traumatischen Erinnerungen an Flucht aus Ostpreußen während dem zweiten Weltkrieg

Ich: Frau H.H. - ich muss unser Gespräch leider beenden - ich habe ein Treffen am Gingkobaum mit einem der Mädchen aus meinem Ferienprogramm DancingFeet- Tanz und Yoga rund um den Gingkobaum. Sie möchte den kleinen Eichenbaum, welcher sich im KinderGarden angesiedelt hat, eintauschen gegen eine Stunde Mitarbeit in und für die Baumscheibe. Lass uns nochmal über deine Geschichte sprechen. Vielleicht beim Hofflohmarkt - unter uns.

Frau H.H.: Menschen wie dich müsste es noch 30-milliardenfach geben!!

Foto Ma Camara, Feriengruppe „DancingFeet rund um den Gingkobaum“ 2016

zweite Begegnung an diesem kommunikationsschwangerem Tag

während ich dabei bin, diverse Plastikabfälle, zwei Bierflaschen, eine polizeiliche Aufforderung mit Strafbefehl (zerrissen und sich über unseren Gehsteig verteilend) Reste von menschlichem Kot (stinkend und voller Fleischfliegen...) aus unserer Baumscheibe zu entfernen.

Eine Seniorin... ebenfalls ca 80 Jahre alt :

Dreckstall - ich habe schon bei der Stadt angerufen. Man sollte ihnen die Baummiete wegnehmen!Eine große Sauerei ist das hier - ich wohne erst kurz hier und komme aus der Südstadt - dort gibt es so einen Saustall nicht.Besonders zu Weihnachten kommen die Erwachsenen hierher mit den Kindern und trampeln die Hundescheiße breit!! Überall nur Hundescheiße.Und das sinnlose Gehänge am Baum - was soll das?? - Wenn sie nicht fähig sind, hier Ordnung zu halten - hören sie doch auf damit, die Stadt pflegt den Baum besser wie sie!!

Ich: Das hier ist ein Agenda 21 Projekt zur kinder-nachbarschaftlichen Fairnetzung; kommen Sie dazu und bringen sie ihre konstruktive Kritik mit ein.

Antwort: Ich bin doch nicht blöd!! So ein Schmarrn!!

Ich: Ein Permakulturprojekt zur Förderung der Kommunikation im Viertel.

Antwort: ein prma.kujuprojekt......ich bin doch nicht blöd!!

Ich: Kommen Sie, hier ist die Einladung zum Hofflohmarkt am 17.9.16 bei uns im Hinterhofgarten - da können wir uns in Ruhe unterhalten.

Antwort: Hören Sie doch auf - ich bin doch nicht blöd - das hier ist eine große Sauerei!!

clip_image004 Foto Ma Camara

 

dritte Begegnung an diesem verhängnisvollem, nach außen friedlich wirkendem Tag

Frau H.H. - Freundin unseres Permakulturprojektes kommt wie vom Himmel gerufen und beobachtet unsere einseitig lautstarke Diskussion lächelnd.

Sie spricht mich an:

Monika - hast du gesehen? die Gartenbauarbeiter der Stadt haben hier einfach die Äste abgesägt.

Ich: Ja, und kommentarlos in den verblühenden Malven hängen lassen...

Frau H.H.: Ich habe die Arbeiter gefragt warum sie das tun - sie antworteten, sie pflegen den Baum. - Aber der Baum ist doch gesund - und kein Zweig hängt in irgendwelche Fenster hinein.

Frau H.H. ist meine Rettung - durch ihre Kommunikation mit mir lässt die andere Frau von mir ab - und geht wortlos ihres Weges

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Fotos Ma Camara

9.9.16

ein ungewöhnlich gesprächiger Vormittag am KinderGarden

Diesmal von männlicher Seite: Hallo Monika!!

Es ist Gerhard, mein langjähriger Nachbar aus der Adamstraße.

Hast du eine reiche Ernte??

Ich: Ja – siehst du – zusammen mit meiner fleißigen Gartenfee ernten wir gerade die letzten Malvensamen aus dem KinderGarden.

Gerhard ist heute besonders gesprächig – und so erfahre ich ( nach 20 Jahren ) das er stolzer Besitzer eines bäuerlichen Anwesens im fränkischem Land ist.

So viel Arbeit – ich verliere die Lust … aber wir haben viele Äpfel.

Ich: Äpfel?? – wir lieben Äpfel.

Gerhard: Ach ja? ich kann dir einen großen Sack voller Streuobst-Früchte bringen.

Ich: Gerne!! – und schon saust Gerhard davon – um 15 Minuten später auf seinem Drahtesel mit den leuchtendsten, wurmstichigsten kleinen roten und großen gelben Bauernäpfeln vor dem KinderGarden zu stehen.

So schön – wie der gute Nikolaus!

Ich schenke einen Teil Olivia und ihrer Mama zum Abschied.

Am selben Abend transformieren sich Gerhards gefallene Früchtchen in meiner Küche in himmlisch schmeckendes Apfelmus – unsere 86 jährige Mama/Oma bereichert dasselbe einen Tag später mit wunderbar sämigem Milchreis – eine Delikatesse für den Samstag - Mittagstisch!!

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Fotos Moni Künneth, Ma Camara

10.9.16

Wohlgesonnener Plausch in der Abendstimmung

Na - sie haben aber viel Arbeit hier…

Ich: Ach nein, es macht mir viel Freude, hier in der Erde zu wühlen – auch eine Art der Meditation und sehr entspannend für eine Frau, welche die ganze Woche so viele Worte spricht – oder schreibt.

Im Gespräch entdecken wir beide unsere gemeinsame Herkunft aus der Oberpfalz. Also zwei „Nermberger Zuagroaste“ sozusagen… und die Augen beginnen zu strahlen.

Erinnerungen tauchen auf – auf kindliche Spiele im Kornfeld, glückliche Blicke in den sonnigen Himmel – Freiheiten einer ungestörten und unkontrollierten Kindheit im ländlichem Raum.

Erzählungen der Großeltern unterm Apfelbaum vor dem Misthaufen des kleinen Großfamilienhofs.

Wobei – meine Erinnerungen unterscheiden sich doch um einiges von denen des gesprächigen Herrn:

Er musste als 6 jähriger Bub die Gänse hüten und den Garten seines Vaters mitbestellen – ob er wollte oder nicht. Ich durfte stolz und freiwillig im Zaubergarten meiner Tante Resl gemeinsam mit ihr die Stachelbeeren und Erdbeeren ernten - und dabei mit aller Zeit der Welt dem geheimnisvollem Gesang der Bienen, Vögel und des Windes lauschen.

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